Das Leitbild entstand im Jahre 1998

Entstehungsprozess

In Zeiten des strukturellen Wandels an den Kantonsschulen im Aargau ermöglichte die Erarbeitung eines Leitbildes das Selbstverständnis einer Schule zu fundieren und breit abzustützen. Die bewusste Formulierung eines gemeinsamen pädagogischen Selbstverständnisses setzt einen komplexen Kommunikationsprozess zwischen den Handelnden in derInstitution Schule voraus. Die Grundfrage ist folgende: Wie gelangt man dahin, dass Schülerschaft, Lehrerschaft, Schulleitung undAufsichtskommission allesamt "am selben Strick" ziehen? Ruft man sich noch einmal die Leitideen des Projekts Umsetzung MAR im Kanton Aargau in Erinnerung, so heisst der erste Satz der Leitidee Nummer 13: Jeder gymnasiale Standort hat ein eigenes Schulprogramm. Der Kommentar zudieser Leitidee lautet wie folgt: "Ein Schulprogramm beschreibt dieZiele und die Gestaltung des Schullebens und des Unterrichtsgeschehensan einer Schule. Es umfasst das Schulleitbild, die Lehrpläne sowie Angaben zur Schulorganisation und zur Qualitätssicherung." Die Erarbeitung des Leitbildes an der Kantonsschule Wohlen ist in diesem grösseren Kontext eingebettet. Der Leitbildprozess an der Kantonsschule Wohlen umfasste mehrere Phasen, die durch eine Projektleitungsgruppe(PLTWo) koordiniert und gesteuert wurden. Nachdem sich diese in mehrere Schulentwicklungsinstrumente eingearbeitet hatte, widmeten sie sich drei Fragen, die in ihrer klaren Formulierung geeignet waren, einen Reflexionsprozess in Gang zu setzen, der nie aufhören sollte.Grundfragen:

Welches sind die Stärken der Kantonsschule Wohlen?
Welches sind ihre Schwächen?
Welches sind mögliche Entwicklungsschwerpunkte für die Zukunft?

Diese Fragen wurden in moderierten Gruppen durch die Lehrpersonen eingehend diskutiert, und die Resultate dieser intensiven Auseinandersetzung wurden schriftlich in allen Details festgehalten. Dernächste Schritt bestand darin, einen Leitbildkerntext als Basis für weitere Diskussionen zu entwerfen. Dazu war es nötig, die Beiträge der Gruppenarbeiten begrifflich zu strukturieren, um eine möglichst grosse Uebersicht über die verschiedensten Bereiche zu erlangen.

Der Leitbildkerntext stellte das Resultat dar aus mehreren Arbeitsphasen, in denen die zentralen schulrelevanten Themen extrahiert wurden. Am 13. Februar 1998 ging die gesamte Lehrerschaft unserer Schulenach Hölstein (BL) in Klausur, um in einem zweitägigen Diskussions- und Formulierungsprozess im Schneeballsystem vier verschiedene Leitbildentwürfe schriftlich festzuhalten. Aufgabe einer in Hölstein gebildeten Redaktionsgruppe war es nun, die vier Leitbildentwürfe zu einem Vernehmlassungsentwurf zusammenzuziehen. Am 15. und 22. Juni 1998 fand die Vernehmlassung des Leitbildentwurfs statt, wobei vorausgehend weitere schriftliche Änderungsvorschläge seitens der Lehrer- und Schülerschaft und der Aufsichtskommission erfolgen konnten. An den beiden oben genannten Daten wurden Satz für Satz und Aenderungsvorschlag für Änderungsvorschlag sachlich diskutiert und in einem demokratischen Abstimmungsprozedere angenommen oder verworfen. Die Schülerschaft war dabei mit einer Stimme pro Klasse beteiligt.

Hinter den fünf Seiten des Leitbildes stehen ein Jahr Arbeit, die Bereitschaft zur Infragestellung von Selbstverständlichem, die Anstrengung zur präzisen, schriftlichen Formulierung von Gedanken und die engagierte Diskussion mit Kolleginnen und Kollegen, Schülerschaft und Schulleitung. Was die Erfahrung an anderen Schulen gezeigt hat, bestätigte sich auch an unserer Schule: Der Leitbildtext an sich verweist vor allem auch auf einen Erarbeitungsprozess, bei dem sich die Beteiligten zusammenfanden, um aktiv und verantwortungsvoll das Profil und die Zukunft der Kantonsschule Wohlen zu gestalten.

Selbstverständlich wissen wir nur zu gut, dass ein Leitbild auch umgesetzt werden muss und eine permanente Evaluation der einzelnen Ideen stattzufinden hat. Entwicklungsschwerpunkte sind vom Kollegium denn auch gewählt worden und müssen weiterhin gewählt werden, damit die Zukunft unserer Schule gemeinsam und konstruktiv, im Sinne eines ständigen Reflexionsprozesses, angegangen werden kann. Der Leitbildprozess hat mitgeholfen, dass sich die Kantonsschule Wohlen in ihrer pädagogischen Grundausrichtung eine solide Basis für die weitere Schulentwicklung hat schaffen können.

Leitbild

"Wir" bedeutet im folgenden alle ander Schule beteiligten Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Aufsichtskommissionsmitglieder. Es geht aus dem Zusammenhang hervor, dass nicht alle bei allen Aussagen gleich betroffen sind.

Leitgedanken
Unsere Schule ist ein Bildungszentrum für das Freiamt und die angrenzenden Gebiete. Sie hat das zentrale Anliegen, den Schülerinnen und Schülern primär den Zugang zu allen Studiengängen der Hochschulen,aber auch zu anderen weiterführenden Ausbildungsgängen zu ermöglichen. Zu einer lebendigen Schule gehören für uns neben der Vermittlung von Allgemeinbildung und fundiertem Fachwissen die Förderung der Urteilskraft sowie die Entwicklung der emotionalen und sozialen Seiteder Schülerinnen- und Schülerpersönlichkeit. Wir fördern das Verständnis für und das Interesse an Veränderungen in Umwelt und Gesellschaft sowie die Bereitschaft, an Entscheidungsprozessen aktiv teilzunehmen. Wir tragen dazu bei, dass sich alle an der Schule Beteiligten wohl fühlen. Wir stehen ein für einen partnerschaftlichen Umgang miteinander, der von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt ist. Wir respektieren alle Gesprächspartner und diskutieren Meinungsverschiedenheiten sachlich und offen. Gefällte Beschlüsse sind für uns verbindlich. Wir bemühen uns, ökologisch verantwortbar zu handeln.

Erziehungs- und Bildungsinhalte
Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz: Die Vermittlung von fundiertem Fachwissen besitzt für uns einen hohen Stellenwert. Wir fördern die kognitiven, sozialen, musischen und sportlichen Fähigkeiten. Ebensowichtig wie die Vermittlung von Fachwissen ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Erlernten, die Meinungsbildung und Stellungnahme. Mit vielfältigen Unterrichtsformen werden sowohl das Denken in komplexen Zusammenhängen, die Fähigkeit zum Lösen von Problemen sowie Kreativität und soziales Verhalten gefördert. Damit werden die Schülerinnen und Schüler befähigt, zu eigenen,differenzierten Urteilen zu gelangen. Die Schülerinnen und Schüler lernen einerseits selbständiges, exaktes Arbeiten und entwickeln persönliche Arbeitstechniken, andererseits werden sie befähigt, im Team zu arbeiten. Wir sind offen und interessiert gegenüber Neuem. Neugierde und Freude am Lernen sollen gefördert werden. Gefühl und Intuition werden, wenn sinnvoll, in der Auseinandersetzung mit Sachproblemen im Unterricht Platz eingeräumt. Das Verantwortungsbewusstsein der Schülerinnen und Schüler wird gefördert. Sie übernehmen im Rahmen klarer Zielvorstellungen Mitverantwortung bei der Gestaltung des Unterrichts, des Schullebens und bei Fragen der Schulentwicklung. Interessierte und begabte Schülerinnen und Schüler sollen speziell unterstützt werden. Wir setzen uns zum Ziel, ein reichhaltiges Freifächerangebot anzubieten und dadurch verschiedenste Interessen zu wecken und spezielle Begabungen zufördern. Die Lehrerinnen und Lehrer einer Klasse versuchen nach Absprache mit den Schülerinnen und Schülern ihren Unterricht sinnvoll zu koordinieren. Die Schule unterstützt ein breites Kulturangebot. DieTeilnahme an kulturellen Veranstaltungen und Exkursionen ist einzusätzlicher Bestandteil des Unterrichts.

Selektion
Wir betrachten die Selektion als eine wichtige Aufgabe. Lehrerinnen undLehrer messen und beurteilen Leistung anhand anspruchsvoller Kriterien,die ihrerseits auf verschiedenen Ebenen innerhalb des Kollegiums besprochen werden. Die Anforderungen werden gegenüber den Schülerinnen und Schülern offengelegt. Von ihnen werden in Noten messbare Leistungen erwartet.

Schulorganisation
Personalpolitik und Planung: Die Schulleitung legt die Grundsätze ihrer Personalpolitik offen. Die Fachschaften werden angehört. Die Schüler und Schülerinnen werden in geeigneter Form berücksichtigt. Fachliche, didaktische und pädagogische Kompetenz sind die wichtigsten Anstellungskriterien. Die Schulleitung achtet insbesondere auch durch Schaffung von Voll- und Teilzeitstellen auf gute Anstellungsbedingungen. Die Schulleitung plant zukunftsgerichtet, indem sie mögliche Entwicklungen abschätzt und entsprechende Massnahmen trifft.

Fachschaften
Die Fachschaften sind untereinander gleichberechtigte Institutionen mit geregelten Kompetenzen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben. Sie nehmen an unserer Schule eine wichtige Stellung ein. Bei Entscheidungsfindungen,die sie betreffen, werden sie von der Schulleitung in geeigneter Form mit einbezogen.

Mitsprache der Schülerschaft
Es ist erwünscht, dass die Schülerschaft ihre Mitwirkungsrechte wahrnimmt und sich eine repräsentative Organisation gibt. Die Schülerinnen- und Schülerorganisation (SO) nimmt an unserer Schule eine wichtige Stellung ein und wird in geeigneter Weise in die Entscheidungsfindung der Schulleitung miteinbezogen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen ein optimales Umfeld für einen reibungslosen Ablauf des Unterrichts und des Schulbetriebs.

Reglemente
Reglemente sind für uns verbindlich und dienen der Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Ziele. Gemeinsam erstellte Reglemente überprüfen wir regelmässig.

Qualitätsmanagement
Öffentlichkeit: Die Kantonsschule Wohlen ist im Freiamt und den angrenzenden Gebieten verankert. Wir pflegen durch spezielle Anlässe den Kontakt zu den Eltern und zur Öffentlichkeit und wir fühlen uns verantwortlich für das Ansehen unserer Schule. Unsere Schule pflegt vielfältige Beziehungen mit anderen Schulen und Institutionen. Das Kantiforum ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal unserer Schule.

Arbeitsethik: Eine hohe Leistungsbereitschaft wird bei Lehrer- und Schülerschaft vorausgesetzt. Beide engagieren sich für eine zielgerichtete, strukturierte und interessante Gestaltung des Unterrichts und arbeiten an der Entwicklung unserer Schule mit. Schülerinnen und Schüler sind bereit, sich mit den vermittelten Bildungsinhalten auseinanderzusetzen, aktiv und regelmässig am Unterricht teilzunehmen und intellektuelle Neugier und Freude am Lernen zu entwickeln. Bei Problemen versuchen wir, den Schülerinnen und Schülern zu helfen und weisen sie auf die Beratungsangebote und Möglichkeiten der Studienorientierung hin.

Fortbildung: Wir räumen einer kontinuierlichen Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung einen hohen Stellenwert ein und aktualisieren ständig unser Wissen.

Qualitätssicherung: Wir passen unsere Organisations- und Kommunikationsstruktur den Bedürfnissen der Schulgemeinschaft an. Die Qualität des Unterrichts ist ein zentrales Anliegen unserer Schule. Sie wird regelmässig überprüft unter Mitwirkung der Aufsichtskommission, der Fachschaften, der Schulleitung sowie der Schülerinnen und Schüler. Wir setzen uns zum Ziel, die einzelnen Punkte dieses Leitbildes zu realisieren. Dazu sind Möglichkeiten und Weisungen zur Umsetzung des Leitbildes zu erarbeiten. Wir wollen unsere Wertvorstellungen, Ziele und Normen regelmässig diskutieren und überprüfen und gegebenenfalls das Leitbild entsprechend modifizieren.